Anorexie und Depression

Studien zeigen, dass ein hoher Prozentsatz der Menschen mit einer Essstörung eine Depression erleiden wird. Hier betrachten wir die Symptome und die Behandlung dieser koexistierenden Störungen näher

 

Essstörungen sind komplex und beginnen oft mit guten Absichten: Dem Wunsch, Übergewicht zu verlieren und die Essgewohnheiten zu ändern. Bei manchen Menschen kann der Wunsch, Gewicht zu verlieren, zu einer Anorexia nervosa führen. Warum bei manchen Menschen das Risiko besteht, Essstörungen zu entwickeln, während bei anderen das nicht der Fall ist, ist nicht ganz klar, aber es gibt Hinweise darauf, dass Vererbung und depressive Störungen das Risiko erhöhen können.

Eine Studie ergab, dass die Anorexia nervosa eine geschätzte Heritabilitätsrate von 58% aufweist (Heritabilität ist die Variation zwischen Individuen in einer bestimmten Population aufgrund ihrer genetischen Variation) und dass die Komorbidität von Anorexia nervosa und schwerer Depression wahrscheinlich auf genetische Faktoren zurückzuführen ist, die das Risiko für beide Erkrankungen beeinflussen. Eine andere Studie mit über 2.400 Frauen in stationärer Behandlung von Essstörungen ergab, dass 94% der Patientinnen komorbide Stimmungsstörungen, weitgehend unipolare Depressionen (Depressionen ohne manische Zustände), aufwiesen.2

Angesichts der Tatsache, dass Anorexia nervosa und Major Depression häufig koexistieren, hilft es, die Symptomatik und die Behandlungsmöglichkeiten für beide zu verstehen.

 

Symptome der Anorexie

Laut dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th Edition, (DSM-5), gibt es drei Hauptmerkmale der Anorexia nervosa: anhaltende Nahrungseinschränkung, starke Angst vor Gewichtszunahme oder Fettwerden oder anhaltendes Verhalten, das die Gewichtszunahme behindert.

Zu den körperlichen Anzeichen und Symptomen der Anorexia nervosa können folgende gehören:

  • Extreme Gewichtsabnahme
  • Anormale Blutbilder
  • Müdigkeit
  • Schwindelgefühl
  • Ohnmacht
  • Verfärbung der Finger
  • Ausdünnendes oder brüchiges Haar
  • Ausbleiben der Menstruation
  • Schlaflosigkeit
  • Dünnes Aussehen
  • Trockene oder gelbliche Haut
  • Dehydrierung
  • Unregelmäßiger Herzschlag
  • Osteoporose
  • Niedriger Blutdruck

 

Symptome einer schweren depressiven Störung

Das wesentliche Merkmal einer schweren depressiven Störung ist ein Zeitraum von zwei Wochen, in dem entweder fast den ganzen Tag über fast jeden Tag eine depressive Stimmung herrscht oder das Interesse oder die Freude an fast allen Aktivitäten verloren geht. Weitere mögliche Symptome sind

  • Erhebliche Gewichtsabnahme ohne Diät oder Gewichtszunahme und Appetitveränderungen
  • Schlaflosigkeit oder Hypersomnie fast jeden Tag
  • Psychomotorische Erregung oder Retardierung fast jeden Tag
  • Müdigkeit oder Energieverlust fast jeden Tag
  • Gefühle der Wertlosigkeit oder übermäßige Schuldgefühle
  • Beeinträchtigte Fähigkeit zu denken oder sich zu konzentrieren und/oder Unentschlossenheit
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod, wiederkehrende Selbstmordgedanken ohne Plan, oder ein Selbstmordversuch oder Selbstmordplan

Die Symptome einer schweren depressiven Störung führen zu einer erheblichen Belastung oder Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen Funktionsbereichen. Selbstmord ist immer dann ein Risiko, wenn eine Person eine schwerwiegende depressive Episode erlebt. Es ist sehr wichtig, dass die Betroffenen ihre depressiven Symptome mit ihren medizinischen Betreuern besprechen, wenn sie Hilfe bei Bulimia nervosa (selbst herbeigeführtes Erbrechen, um den Körper von Nahrung zu befreien) suchen, da unter Umständen mehr als ein Behandlungsansatz erforderlich ist.

 

Symptom Überlappung

Obwohl beide Erkrankungen Müdigkeit einschließen können, ist schwerer Gewichtsverlust das Symptom, das sich am häufigsten überschneidet. Der grosse Unterschied zwischen beiden ist jedoch, dass die meisten Menschen mit einer schweren depressiven Störung weder den Wunsch nach übermässiger Gewichtsabnahme noch die Angst vor einer Gewichtszunahme haben.

 

Suizidrisiko

Nach dem DSM-5 ist das Risiko für suizidales Verhalten sowohl bei einer schweren depressiven Störung als auch bei Anorexia nervosa erhöht. Die Möglichkeit suizidalen Verhaltens besteht jederzeit während einer schweren depressiven Episode, insbesondere wenn es in der Vergangenheit Selbstmordversuche oder Selbstmorddrohungen gegeben hat, und die Suizidrate bei Patienten mit Anorexia nervosa liegt Berichten zufolge bei 12 pro 100.000 pro Jahr.

 

Behandlung der Anorexia nervosa und der schweren depressiven Störung

Aufgrund der komplexen Natur der Anorexia nervosa und der schweren depressiven Erkrankung umfasst die Behandlung beider Erkrankungen ein umfassendes medizinisches Team, das aus einem Arzt, einem Therapeuten und einem Ernährungsberater besteht. Die individuellen Behandlungspläne hängen von den Symptomen und dem Schweregrad ab, können jedoch Folgendes umfassen

  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Familientherapie
  • Gruppentherapie
  • Verwaltung von Medikamenten
  • Ernährungsmanagement und Ernährungsberatung
  • In einigen Fällen kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein

 

Artikel-Quellen

  1. American Psychiatric Association, Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, American Psychiatric Publishing, Washington, D.C., 2013: Page 344.
  2. American Psychiatric Association, Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, American Psychiatric Publishing, Washington, D.C., 2013: Pages 160-168.
  3. American Psychiatric Association, Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, American Psychiatric Publishing, Washington, D.C., 2013: Pages 160-168.
  4. American Psychiatric Association, Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, American Psychiatric Publishing, Washington, D.C., 2013: Page 344.
  5. American Psychiatric Association, Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, American Psychiatric Publishing, Washington, D.C., 2013: Page 167.