Home Office und Depression

Wir leben in einer Zeit, in der viele von uns das tun, was frühere Generationen nicht tun konnten: von zu Hause aus arbeiten.

Dank des Internets sind viele von uns in der Lage (und manchmal auch gefordert), ihre täglichen Aufgaben aus der Ferne zu erledigen. Telearbeit ist das Stichwort. Aber kann das Arbeiten zu Hause auch zur Belastung werden? Kann Telearbeit das Risiko einer Depression vergrößern?

Schauen wir uns die Antworten auf diese Fragen näher an, und auch, was Sie tun können, um Ihre psychische Gesundheit zu erhalten.

 

Bin ich deprimiert oder traurig?

Traurig sein ist ein normaler Teil des Lebens. Traurigkeit kann als Folge von Umweltfaktoren auftreten.

Wenn Sie eine große Veränderung in Ihrem Leben erlebt haben, wie zum Beispiel das Ende einer Beziehung, ist es völlig normal und verständlich, dass Sie traurig sind. Auch wenn sich Traurigkeit irgendwann in eine Depression verwandeln kann, ist es wichtig, zu verstehen, dass Depression ein klinischer Zustand der psychischen Gesundheit ist, der weit über Traurigkeit hinaus geht.

Episoden einer schweren Depression dauern mindestens für zwei Wochen an. Obwohl eine traurige Begebenheit sie auslösen kann, kann eine Depression auch scheinbar aus dem Nichts kommen.

Der Unterschied zwischen Traurigkeit und einer beginnenden Depression ist oft nicht leicht zu erkennen. Eine psychosoziale Fachkraft kann Ihnen helfen, eine genaue Diagnose zu erhalten und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zu erkunden.

 

Kann die Arbeit in den eigenen vier Wänden eine Depression verursachen?

Zu dieser Fragestellung gibt es unterschiedliche Sichtweisen und Studienergebnisse.

Bei manchen Menschen kann Home Office zusätzlichen Stress verursachen.

Ein Bericht der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen aus dem Jahr 2017 legt nahe, dass 41 Prozent der Fernbediensteten über ein höheres Stressniveau berichten, verglichen mit nur 25 Prozent ihrer Kollegen, die im Büro arbeiten.

Psychologischer Stress kann Depressionen beeinflussen. Allerdings gibt es kaum Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen Fernarbeit und Depressionen.

Bei anderen Menschen reduziert sich der Stress

Tatsächlich deuten einige Untersuchungen darauf hin, dass Menschen speziell nach Arbeitsplätzen mit Flexibilität suchen. Sie wollen von zu Hause aus arbeiten, um Stress abzubauen.

Laut einer 2018 von Mental Health America mit FlexJobs durchgeführten Umfrage möchten etwa 71 Prozent der Menschen von zu Hause aus arbeiten, um den pendelbedingten Stress zu reduzieren.

Ungefähr 75 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben auch an, dass die Arbeit aus der Ferne ihnen potenziell helfen könnte, Stress im Zusammenhang mit Ablenkungen während des Arbeitstages zu begrenzen.

 

Was ist eine Depression?

Nach Angaben der American Psychiatric Association (APA) ist etwa einer von 15 Erwachsenen zumindest einmal in seinem Leben von Depressionen betroffen.

Eine Depression ist eine häufige und ernste psychische Erkrankung, die sich negativ darauf auswirkt, wie man sich fühlt, denkt und handelt.

Menschen mit einer Depression können Traurigkeit und mangelndes Interesse an Aktivitäten empfinden, die sie zuvor genossen haben. Letztlich kann dies ihre Fähigkeit, zu funktionieren, beeinträchtigen.

Einige der häufigsten Symptome einer Depression sind:

  • Energieverlust
  • gedrückte Stimmung
  • Schlafstörungen oder Verschlafen
  • Veränderungen des Appetits

Die Diagnose wird oft gestellt, nachdem die Symptome mindestens zwei Wochen lang bestanden haben.

 

5 Dinge, die Sie tun können, um Depressionen bei der Arbeit von zu Hause aus zu vermeiden

Home Office kann schwierig sein. In den eigenen vier Wänden zu arbeiten kann zahlreiche Vorteile, aber auch Nachteile haben – vor allem, wenn Sie nicht freiwillig im Home Office sind, sondern zum Beispiel durch die aktuelle Pandemie dazu gezwungen. Die nachfolgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, den Alltag im Home Office positver zu erleben.

1. Einen Freund anrufen

Allein die Stimme eines Freundes oder Familienmitglieds zu hören, kann Ihnen helfen, sich verbundener und geselliger zu fühlen und möglicherweise das Gefühl der Isolation abzuwehren. Nutzen Sie die Möglichkeiten der Online-Telefonie oder des Voice-Chats. Wenn Sie gerade niemanden erreichen, hinterlassen Sie einfach eine Sprachnachricht. Durch Sprachnachrichten können Sie sich verbundener fühlen, als durch Textnachrichten.

2. Schreiben Sie Ihre Ziele auf

Depressionen können Ihrer Produktivität im Wege stehen, besonders wenn Sie von zu Hause aus arbeiten. Eine Liste mit messbaren Zielen vor sich zu haben, kann Ihnen helfen, sich vorzustellen, was Sie erreichen wollen und Ihre Ziele in Teilschritten umzusetzen.

3. Erstellen Sie einen Tagesplan

Es kann leicht passieren, das Zeitgefühl zu verlieren, wenn man nicht in einem Büro ist. Die Erstellung eines Tagesplans hilft Ihnen nicht nur, Ihre Aufgaben zu erledigen, sondern gibt Ihnen auch die Möglichkeit, Pausen einzulegen, um Ihre psychische Gesundheit zu erhalten.

4. Nehmen Sie sich Zeit zum Meditieren

Meditation kann Ihnen ein Gefühl der Ausgeglichenheit und Ruhe vermitteln, das Ihnen inneren Frieden schenken und dazu beitragen kann, das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Auch wenn Sie es sich nur leisten können, einige Minuten zu meditieren, denken Sie an die möglichen Vorteile, wenn Sie von zu Hause aus arbeiten. Versuchen Sie es anfangs mit einer geführten Meditation, die nur 3 oder 5 Minuten dauert. Dazu gibt es zahlreiche Apps und Online-Angebote.

5. Machen Sie einen Spaziergang

Ein Spaziergang kommt sowohl Ihrer geistigen als auch Ihrer körperlichen Gesundheit zugute.

Regelmäßiges, zügiges Gehen kann Ihre Stimmung verbessern, d.h. es kann sich lohnen, es in Ihren Tag integrieren. Vor allem, wenn Sie regelmäßig von zu Hause aus arbeiten und mit Depressionen leben.

Wenn Sie nicht nach draußen gehen können oder wollen, nehmen Sie sich mindestens zehn Minuten Zeit, um im Haus hin und her zu laufen, Treppen zu steigen, zu tanzen oder ein kleines Workout zu absolvieren. Jede Form von Bewegung kann helfen.

 

Wo kann ich weitere Informationen erhalten?

Es gibt eine Fülle von Angeboten für Menschen, die das Gefühl haben, an einer Depression zu leiden, oder die einfach etwas für ihre psychische Gesundheit und ihr persönliches Wohlbefinden tun möchten.

Meditations-Anwendungen

Wenn Sie nach einer Möglichkeit suchen, sich selbst und Ihre Routine bei der Arbeit von zu Hause aus zu unterstützen, können Ihnen Meditationsanwendungen helfen.

Headspace ist eine beliebte Meditationsanwendung. Sie bietet relativ kurze, geführte Sequenzen, mit denen Sie Meditation erlernen oder zum Beispiel besser einschlafen können.

Meditation kann Ihre Stimmung und die Symptome von Angst und Depression positiv beeinflussen.

Zusätzlich zu den Meditations-Apps gibt es auch Apps, die sich auf die Motivation konzentrieren.

ADAA-Ressourcen

Auch die Anxiety and Depression Association of America (ADAA) bietet auf ihrer Website eine Vielzahl von Ressourcen sowie Sachinformationen über alles von Depressionssymptomen bis hin zur Untersuchung auf psychische Erkrankungen in unterschiedlichen Sprachen.

 

Zusammenfassung

Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, ist etwas, das viele Menschen genießen, aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass dies nicht für alle gilt.

Mit der Zeit werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie besser funktionieren, wenn Sie von Ihren Kollegen in einem sozialen Umfeld umgeben sind. Es liegt an Ihnen, zu bestimmen, was für Ihre psychische Gesundheit am besten funktioniert.

Denken Sie daran, dass es nur wenige oder gar keine Informationen gibt, die eine direkte Verbindung zwischen Fernarbeit und der Entwicklung einer Depression herstellen.

Eine medizinische Fachkraft kann Ihnen dabei helfen, festzustellen, ob Sie unter Traurigkeit oder Depressionen leiden, und Ihnen die nötige Pflege zukommen lassen. Denken Sie daran, dass es sich lohnt, Unterstützung zu suchen: Viele Menschen mit Depressionen, die eine Behandlung erhalten, leben ein gesundes und glückliches Leben.

 

Quellen