Psychoneuroimmunologie bei Depressionen

Die Psychoneuroimmunologie ist ein spezialisiertes Forschungsgebiet, das die Wechselwirkungen zwischen dem Gehirn, der Psyche und dem Immunsystem untersucht. Dieses Gebiet konzentriert sich in erster Linie auf die Reaktion unseres Körpers auf Stress. Unser Immunsystem ist für die Unterscheidung zwischen fremden Zellen und unseren eigenen, natürlich vorkommenden Zellen zuständig. Mit anderen Worten, das Immunsystem schützt uns vor dem Eindringen von Viren und Bakterien oder vor der Ausbreitung abnormaler innerer Zellen wie Krebszellen.

Das Immunsystem besteht im Wesentlichen aus drei verschiedenen Zelltypen: T-, B- und natürliche Killerzellen (NK-Zellen). Zusammen werden diese Zellen auch als Lymphozyten oder weiße Blutkörperchen bezeichnet. T-Zellen suchen und zerstören Zellen, die mit Krankheitserregern (Infektionserreger wie Bakterien, Viren usw.) infiziert sind. B-Zellen produzieren Antikörper, die Antigene (fremde Moleküle oder Organismen) angreifen. T- und B-Zellen sind beide “antigenspezifisch”, d. h. sie treten erst dann in Aktion, wenn sie in unserem Körper auf eine bestimmte Art von Antigenen gestoßen sind. NK-Zellen benötigen jedoch kein Antigen als Auslöser für eine Aktion. NK-Zellen überwachen unseren Körper ständig. Wenn NK-Zellen auf ein Antigen treffen, töten sie es ab. Daher der Name “natürliche Killerzelle”.

Ein starkes Immunsystem ist notwendig, um Infektionen abzuwehren und gesund zu bleiben. Alles, was unser Immunsystem beeinträchtigt, macht uns anfällig für Krankheiten. Wichtig ist, dass es nicht nur biologische Krankheitserreger sind, die unser Immunsystem beeinträchtigen können. Auch psychologisch und sozial belastende Ereignisse wie der Tod eines geliebten Menschen, schwere Misshandlungen oder Traumata, Trennungen, soziales Versagen, soziale Isolation oder Langzeitpflege können unser Immunsystem schwächen.

Es gibt heute viele Belege dafür, dass psychische und soziale Stressoren eine physische Wirkung auf das Immunsystem haben können. In der Laborforschung zeigen Tiere, die lauten Geräuschen, intermittierenden Schocks oder einer Bewegungsunfähigkeit ausgesetzt sind, eine unterdrückte Funktion der Immunzellen. Auch beim Menschen haben psychische Krankheitserreger diese Wirkung auf das Immunsystem. Je intensiver die Stressoren werden, desto mehr wird unser Abwehrsystem geschwächt. Selbst Stress, der durch relativ geringfügige negative oder belastende Ereignisse, zum Beispiel einen Schultest, verursacht wird, kann dazu führen, dass die Zahl der weißen Blutkörperchen vorübergehend ansteigt.

Auch Langzeitstressoren, die sich über Zeiträume von einem oder mehreren Jahren erstrecken, schwächen die Funktion des Immunsystems. Dies kann zu einem erhöhten Risiko führen, körperliche Krankheiten zu entwickeln, und kann auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, depressiv zu werden. Bei Ratten bewirkt Langzeitstress, dass das Gehirn große Mengen an Stresshormonen ausschüttet. Diese verändern dann die Neurotransmitter-Rezeptoren für Serotonin. Beim Menschen scheint Langzeitstress das Serotonin-, Noradrenalin- und Dopamin-Neurotransmittersystem zu beeinflussen. Das geschieht insbesondere bei Personen, die sozial isoliert sind und/oder schlechte Bewältigungsfähigkeiten haben. Das wird manchmal auch als “die Geist-Körper-Verbindung” bezeichnet. Es gibt eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet, die zeigen, wie unser Verstand einen Großteil unseres physischen Zustands kontrollieren kann.

Aus unserer Diskussion über Neuroplastizität ist bekannt, dass Verhalten und Aktivität (Bewegung) das Gehirn beeinflussen und bei schweren depressiven Störungen oder Stress helfen können, diesen Zustand zu verursachen. Eine neuere Forschungslinie legt nahe, dass Stress einen Rückgang neuer Neuronen im Hippocampus begünstigt. Autopsieergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen mit Depressionen, die unter Langzeitstress litten und dann Selbstmord begingen, eine verminderte Bildung neuer Neuronen im Hippocampus aufwiesen. Im Gegensatz dazu zeigen Menschen mit Depressionen, die von der Einnahme von Antidepressiva oder einer Elektroschocktherapie profitieren, eine erhöhte Bildung neuer Neuronen.

Das Gebiet der Psychoneuroimmunologie ist relativ neu. Zukünftige Forschung wird uns wahrscheinlich mehr Hinweise auf die Wechselwirkung zwischen der Funktionsweise unseres Immunsystems und Depressionen liefern.