Yoga gegen Depressionen

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Yoga dazu beitragen kann, depressive Symptome zu lindern.

Eine Studie hat herausgefunden, dass Menschen mit einigen Diagnosen zur psychischen Gesundheit, die regelmäßig Yoga praktizieren, wahrscheinlich weniger depressive Symptome haben als Menschen, die weniger häufig praktizieren oder andere Formen der Intervention anwenden.

Die im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie fasst die Ergebnisse einer Vielzahl früherer Studien zusammen und umreißt den Wert, den weitere Forschungen über die Beziehung zwischen Yoga und der psychischen Gesundheit haben.

 

Ein “tiefgreifendes menschliches Problem” angehen

Depressionen sind weltweit die Hauptursache für Behinderungen. Laut einem Artikel im Journal of Clinical Psychiatry sind sie “eines der tiefgreifendsten menschlichen Probleme, mit denen das globale Gesundheitssystem derzeit konfrontiert ist”.

Dem Nationalen Institut für psychische Gesundheit zufolge verursacht eine Depression “schwere Symptome, die sich darauf auswirken, wie Sie sich fühlen, denken und mit alltäglichen Aktivitäten wie Schlafen, Essen oder Arbeiten umgehen”.

Depressionen treten manchmal neben anderen Problemen der psychischen Gesundheit auf, wie z. B. Angst und Psychose. Einige körperliche Gesundheitsprobleme können ebenso zu psychischen Gesundheitsproblemen führen.

Nach einem Artikel im Journal of Affective Disorders verbinden viele Experten mangelnde körperliche Aktivität mit Depressionen.

Ärzte ermutigen Menschen mit Depressionen häufig dazu, sich körperlich zu betätigen, um den nachteiligen Auswirkungen von Inaktivität auf die körperliche Gesundheit, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vorzubeugen.

In diesem Zusammenhang kann Yoga eine wertvolle Rolle spielen. Es gibt eine Reihe verschiedener Arten von Yoga, aber die Praxis kombiniert typischerweise körperliche Bewegung, Atemübungen, Meditation und Achtsamkeit.

Eine meta-analytische Untersuchung der American Psychological Association wies darauf hin, dass Achtsamkeit bei der Behandlung von Angstzuständen, Depressionen und anderen Stimmungsstörungen helfen könnte.

Kombiniert mit den Vorteilen körperlicher Aktivität bei psychischen Gesundheitsproblemen kann Yoga für Menschen, die unter Depressionssymptomen leiden, zahlreiche Vorteile bieten.

 

Aktives Yoga ist vielversprechend

Um diese Hypothese zu untersuchen, führten die Autoren der vorliegenden Studie eine Metaanalyse von Studien durch, die sich zuvor mit den Auswirkungen von Yoga auf depressive Symptome befasst hatten.

Nachdem 80 Studien identifiziert worden waren, reduzierten die Forscherinnen und Forscher diese Zahl auf 13 und konzentrierten sich dabei auf qualitativ hochwertige Studien, an denen Personen über 18 Jahre teilnahmen, bei denen eine psychische Störung diagnostiziert worden war und die sich während mindestens 50 Prozent der Dauer einer Sitzung mit Yoga beschäftigten, das körperliche Bewegung einschloss.

Die in die Studie einbezogenen Yoga-Arten waren Hatha, Vinyasa, SVYASA, Kundalini und Kripalu. Die Sitzungen fanden wöchentlich statt und dauerten zwischen 20 und 90 Minuten.

Nach der Zusammenführung der Daten aus diesen Studien stellten die Autoren fest, dass Yoga bei Menschen mit psychischen Störungen eine mäßige Wirkung auf die Verringerung depressiver Symptome hatte.

Der Nutzen war am deutlichsten bei Menschen mit Depressionen und Schizophrenie und, in geringerem Maße, bei Alkoholmissbrauch. Es lagen jedoch nicht genügend Daten vor, um den Nutzen für andere psychische Gesundheitsstörungen zu bewerten.

Die Autoren stellten fest, dass ihre Ergebnisse mit einer früheren Studie übereinstimmten, die sich speziell mit dem möglichen Nutzen von Yoga für Menschen befasst hatte, die eine Depressions-Diagnose erhalten hatten.

Im Gegensatz dazu untersuchte die aktuelle Meta-Analyse depressive Symptome bei einer Reihe von psychischen Gesundheitsstörungen, einschließlich der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD), allgemeiner Angst, Stress und Schizophrenie.

Die Autoren fanden heraus, dass Menschen, die regelmäßiger Yoga machten – d. h. mehrere Sitzungen pro Woche absolvierten – mehr positive Auswirkungen auf ihre depressiven Symptome wahrnahmen.

 

Ein Anreiz für weitere Forschung

Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, stellten die Autoren fest, dass die Forscher weitere Untersuchungen durchführen müssen, um die Gründe dafür zu verstehen, wie und warum Yoga depressive Symptome beeinflusst.

Aufgrund der begrenzten Anzahl von Studien, die zur Analyse zur Verfügung stehen, stellten die Autoren fest, dass nicht klar ist, wie die verschiedenen Komponenten des Yoga – zum Beispiel körperliche Aktivität und Achtsamkeit – die depressiven Symptome einer Person beeinflussen.

Darüber hinaus war nicht klar, ob die Kombination von körperlicher Aktivität und Achtsamkeit, die gleichzeitig praktiziert wird, zu bedeutenderen Vorteilen führt, als wenn sie einzeln ausgeübt wird.

Die Autoren stellten auch fest, dass die Art des Yoga und der Lehrer die Ergebnisse ebenfalls beeinflussen könnten. Um dies in der zukünftigen Forschung zu auszuschließen, schlagen die Autoren vor, auf Klassen zurückzugreifen, die von Yogalehrern mit gleichwertigen formalen Qualifikationen geleitet werden.

Jacinta Brinsley, School of Health Sciences, University of South Australia, Adelaide, und ihre Koautoren:

 

“Zum weiteren Verständnis des Mechanismus, durch den Yoga auf die geistige und körperliche Gesundheit wirkt, sollten die Interventionsvariablen wie Art des Yoga, Intensität, Umgebung, Ausbilderqualifikation, spezifische Haltungen, Cueing, philosophische Schwerpunkte, Achtsamkeitstechniken und Atemtechniken angemessen berichtet werden.”

 

Nichtsdestotrotz macht die Studie deutlich, dass es für Forscher wertvoll sein kann, die Rolle, die Yoga als Behandlung von depressiven Symptomen spielen kann, weiter zu erforschen.